Wir alle kennen es: Man wacht mit Halskratzen und schlotternden Knochen auf, denkt aber sofort an den Schreibtisch, an die Kollegen, an die E-Mail-Flut und das, was alles liegen bleiben könnte. Krank sein? Gerade jetzt kommt das wirklich ungelegen!
Krank + Arbeit = lose-lose
Trotz Fieber und Müdigkeit geht man (oder loggt sich ein) und macht weiter wie gehabt – zumindest so gut es mit den gesundheitlichen Einschränkungen geht. Der so genannte Präsentismus beschreibt das Phänomen, dass Beschäftigte zur Arbeit gehen, obwohl sie krank sind oder sich gesundheitlich stark beeinträchtigt fühlen.
Die DAK-Gesundheit definiert Präsentismus als das Arbeiten trotz Krankheit.
Wir haben die fünf wichtigsten Fakten zum Thema zusammegefasst:
1. Präsentismus betrifft jede Altersstufe
Ein Massenphänomen: Zwei Drittel geben an, krank zu arbeiten
Rund zwei Drittel aller Beschäftigten gaben laut DAK* an, im Jahr 2024 trotz Krankheit gearbeitet zu haben. Laut dem Gesundheitsreport 2025 der DAK-Gesundheit kommt Präsentismus in verschiedenen Altersgruppen vor. Damit zeigt sich: Präsentismus ist ein gesamtgesellschaftliches Phänomen und betrifft Berufseinsteiger:innen ebenso wie erfahrene Fach- und Führungskräfte von der Ausbildung bis ins Renteneintrittsalter.
2. Charakterfrage oder Kulturproblem?
Ist Präsentismus Typsache?
Laut DAK ist diese Frage weit komplexer. So mag es empfindlichere Personen geben oder Personen, die aus Schutz ihrer Mitmenschen sämtliches Ansteckungsrisiko – gerade nach der Pandemie ist das Bewusstsein hierfür starkt gestiegen – vermeiden möchten. Und gleichzeitig ist der Drang, krank zur Arbeit zu gehen, kulturell vorgelebt. In der Studie heißt es wörtlich: “Präsentismus ist kein rein individuelles Problem – es ist auch ein strukturelles Phänomen, das unsere Arbeitskultur prägt. Wenn es zur Norm wird, krank zu arbeiten, entsteht ein gefährlicher Teufelskreis” – und genau das passiert in vielen Unternehmen automatisch.
Doch was auf den ersten Blick nach hoher Loyalität aussieht, hat für den oder die Kranke:n sowie für die Organisationen enorme Nachteile, wie der aktuelle Gesundheitsreport der DAK (erneut) bestätigt.
3. Warum Präsentismus mehr schadet als nützt
Die unterschätzte Kostenfalle im Unternehmen
Präsentismus verursacht also für Unternehmen verdeckte Produktivitätsverluste, steigende Fehlerquoten und langfristig höhere Ausfallkosten. Laut DAK-Gesundheit kann Arbeiten trotz Krankheit die Genesung verzögern und gesundheitliche Risiken erhöhen*. Der Gesundheitsreport 2025 zeigt zudem die wachsende Bedeutung psychischer Belastungen im Arbeitskontext*.
Das kostet auf Dauer richtig Geld für Unternehmen und belastet durch mögliche Langzeitfolgen wie Burnout, innere Unruhezuständen und chronischer Erschöpfung der Erkrankten – mit einer möglichen Arbeitsunfähigkeit auch potentiell die öffentlichen Gelder.
4. Wieso wir krank zur Arbeit gehen
Zwischen Leistungsdruck und schlechtem Gewissen
Interessant beim Präsentismus ist, was die DAK-Studie als häufigste Motive nennt:
Eine Mischung aus äußeren Umständen und innerem Druck, wobei sich mit
- “Arbeitsbezogenen Ursachen”
(z.B. Hoher Leistungs- oder Zeitdruck), - “Personenbezogenen Ursachen”
(bspw. Angst, andere im Stich zu lassen) und - “Organisationsbezogenen Ursachen” (wie z.B. unausgesprochene Erwartungen und fehlende Sensibilität)
drei Hauptkategorien ausmachen lassen.
Ein Ergebnis der DAK-Befragungen sticht besonders hervor – und zwar über einen Zeitraum von fast zehn Jahren hinweg:
Zu beiden Befragungszeitpunkten 2015 und 2024 geben Beschäftigte an, dass sie krank gearbeitet haben, weil sie ihre Kolleginnen und Kollegen nicht hängen lassen wollten.
Eines der zentralen Motive des Präsentismus ist also die Angst, Kolleg:innen im Stich zu lassen. Gerade in stark verdichteten Arbeitsstrukturen erleben viele Beschäftigte ihre Rolle als unverzichtbar. Aufgaben bleiben liegen, Projekte stocken, Kund:innen warten – das schlechte Gewissen nagt da mehr als der pochende Schmerz.
5. Präsentismus als Risiko – Jobsharing als Prävention
Was Präsentismus Unternehmen wirklich kostet und wie Jobsharing hier entgegenwirkt
Für Unternehmen bedeutet dieses Vorgehen in aller Kürze zusammengefasst: Produktivität sinkt, Fehlerquoten steigen, Ansteckungsgefahr steigt und langfristige Ausfälle werden wahrscheinlicher. Für Beschäftigte entsteht ein Kreislauf aus Überlastung, unzureichender Regeneration und wachsender gesundheitlicher Belastung bis hin zu Langzeiterkrankungen.
Für HR ist das ein klares Signal: Präsentismus untergräbt Leistungsfähigkeit, Fürsorgepflicht und Arbeitgeberattraktivität – und verlangt strukturelle Antworten statt stillschweigender Akzeptanz.
Einen erheblichen präventiven Effekt gegen eine Präsentismus-Kultur bietet hier das Jobsharing-Modell. Denn: Wenn Verantwortung auf mehreren Schultern verteilt ist, verändert sich das Erleben von Belastung und Ersetzbarkeit grundlegend!
Verantwortung wird im Jobsharing dreidimensional gedacht: für die eigene Rolle, für die Partnerperson und für die Organisation als Ganzes.
In unserer Arbeit mit verschiedensten Jobsharing-Tandems begleiten wir immer auch einen Strukturwandel-Prozess, der sich auf diese vier spannenden Punkte zusammenfassen lässt:
Gesundheit statt Verpflichtungsdruck
Wer sich und seine Arbeitskraft – begründet oder unbegründet – als unverzichtbar ansieht, schadet also mit Präsentismus seiner Gesundheit. Menschen im Jobsharing hingegen haben ein zweites Standbein im Team und können durch kluge Arbeitsaufteilung, transparenten Übergaben und gelernten Prozessen Krankheitstage deutlich besser abfedern, ohne das Team allein hängen zu lassen.
Die Vorteile davon sind offensichtlich: Wer weiß, dass jemand da ist, der übernehmen kann, nimmt Krankheit als das ernst, was sie ist – also weg von der Heldengeschichte, hin zur raschen Genesung und somit zu einer Vorbildfunktion für das Unternehmen.
Kontinuität statt Stillstand
Ja, der Ausfall eines Teammitglieds bringt für das Team unter Umständen erhebliche Einschnitte mit –Prozesse bleiben stehen, Kenntnisstände unterscheiden sich und irgendwie bleibt vieles einfach stockend.
Auch hier ist Jobsharing ein erheblicher Hebel und sichert bei einem Arbeitsausfall eine nahtlose Kontinuität.
Kurz gesagt: Krankheit wird entdramatisiert und Teamleistung stabilisiert.
Flexiblere Arbeitsgestaltung
Ein weiterer Punkt ist die autonome Arbeitsplanung: Wer sich gesund fühlt, übernimmt Aufgaben; wer Ruhe braucht, zieht sich zurück. Das reduziert den inneren Druck, „trotz allem durchziehen zu müssen“. Es schafft Raum für gesundheitsorientiertes Arbeiten statt krankheitsgetriebenem Funktionieren.
Fazit
Jobsharing transformiert individuelle Belastung in organisationale Stabilität
Präsentismus ist ein Symptom vieler moderner Arbeitskulturen: ständige Erreichbarkeit, hohe Selbstverpflichtung, Personalknappheit. Doch krank zur Arbeit zu gehen ist weder ein Zeichen von Stärke noch ein nachhaltiger Erfolgsfaktor.
Jobsharing dagegen schafft Raum – für gesündere Entscheidungen, geteilte Verantwortung und tragfähige Arbeitsmodelle. Es macht Unternehmen resilienter und auch menschlicher.
Oder anders gesagt:
Jobsharing erlaubt Fürsorge für sich, das Team und das Unternehmen – für eine attraktive Arbeitgebermarke und eine resiliente Unternehmenskultur.
Gerne unterstützen wir mit unserer jahrelangen Erfahrung – hier findest du unser Angebot.
* Quellen:
DAK-Gesundheit (2025): Gesundheitsreport 2025 – Ergebnisse des Gesundheitsreports.
Abrufbar hier.
DAK-Gesundheit: Präsentismus – Arbeiten trotz Krankheit.
Abrufbar hier.


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