Stephanie Benda und Jessica Sears sind als Joint Leadership – Tandem die neuen Geschäftsführerinnen von der Reiseagentur Karibu Safaris. Wir haben mit ihnen weniger als zwei Monate nach ihrem Start gesprochen.

Über Entscheidungen, Sprachnachrichten, Support und ihre Faszination für Afrika.

 

Ich möchte mal mit Eurem Herzensthema Afrika anfangen: Was war denn Euer schönstes Erlebnis auf dem Kontinent?

Jessica: Oh, wo fängt man denn da an?

Ich glaube, ich kann das gar nicht auf ein Erlebnis zusammenfassen. Ich glaube, was es gut widerspiegelt: Ich war ja für 2,5 Jahre in Botswana und ich hatte einen unglaublich stressigen Job mit einem Team, das viel größer war als unseres jetzt.

Die Arbeit war sehr, sehr anspruchsvoll und definitiv was Neues. Trotzdem muss ich sagen, im Nachhinein habe ich mich immer so gefühlt, als wäre ich 2,5 Jahre auf Sommerferien gewesen.

Dieses Leben dort gibt einem so viel Lebensqualität wieder zurück. Dass man einfach das Auto packen kann, am Wochenende irgendwo in den Busch düst, sein Zelt aufstellt und dann in der Früh mit Hyänen am Lagerfeuer sitzt. Das vergisst man nicht so schnell.

Es ist dieser riesige Kontrast. Auch vor Ort kann das Arbeitsleben stressig sein. Aber die Natur gibt einem so viel zurück, dass das gar nicht als Last wahrgenommen wird, weil man immer wieder so viel Energie tanken kann.

Stephanie: Bei mir hat es angefangen, als meine Eltern 2008 nach Kapstadt gezogen sind. Das war so meine erste Begegnung mit Afrika.

Was mich sofort in den Bann gezogen hat, waren die Menschen vor Ort. Diese Lebensfreude trotz oft geringem Einkommen oder geringem Lebensstandard. Diese Ausstrahlung hat mich einfach in den Bann gezogen.

Und dann natürlich: Safaris, draußen in der Natur, die Weite, die Stille, die Tiere beobachten draußen in ihrer Natur. Das ist etwas ganz Besonderes, vor allem wenn man aus einem Land wie Deutschland kommt, wo man diese Ruhe gar nicht kennt.

 

Kaffe und Kuchen - Symbolbild

Und das habt ihr beide dann zum Beruf gemacht? Beziehungsweise, Du, Jessica, bist da ein bisschen reingeboren worden?

Jessica: Meine Mutter hat auf Touristik umgesattelt, genau in dem Moment, als ich auch Touristik studiert habe.

Das hat sich also so gefügt, als ich Mitte 20 war, dass ich einsteige. Dann ist das aber auch schnell steil nach oben gegangen.

Meine Mutter hat meinen Bruder und mich sehr intensiv eingebunden, sie hat uns auch von Anfang an Anteile der GmbH eingetragen. Nach dem Studium bin ich dann direkt mit eingestiegen.

Stephanie: Tourismus ist auch bei mir einfach das, was ich machen möchte. Ich bin dann 2014 zu Karibu Safaris gestoßen.

Demnach hab ich mich riesig gefreut, als das Telefon geklingelt hat, Jessi am Apparat war und den Vorschlag gemacht hat, dass wir die Geschäftsführung zusammen machen könnten.

 

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Das ist an sich jetzt für die meiste Menschen erstmal eine außergewöhnliche Idee, sag ich jetzt mal. Wie bist du denn auf die Idee gekommen, Jessica?

Jessica: Irgendwie zufällig. Ich hab darüber nachgedacht, wie ich jetzt diese Position mit meiner Familie vereinbaren kann.

Ich wollte die Position unbedingt und ich habe jetzt schon so lange drauf hingearbeitet. Dann habe ich mir einfach gedacht:

Okay, ich möcht’s auf jeden Fall machen, aber nicht alleine. Ich habe dann lange alle möglichen Szenarien durchgespielt und überlegt: Wie könnte ich das am besten gestalten?

Und dann habe ich ein Wirtschaftsmagazin für Frauen gelesen. Da war auf der Titelseite Jobsharing. Daraufhin hab ich mich ein bisschen eingelesen, aber nicht viel. Denn, ich bin jemand, der dann sagt: Man muss Sachen auch einfach ausprobieren!

Damit bin ich dann auch gleich bei der Stephi ins Haus gefallen. “Hey, willst Du mit mir in die Geschäftsführung? Wir könnten Jobsharing ausprobieren, das ist irgendwas, das echt gut sein soll, aber ich weiß noch nicht genau, was. Das müssten wir uns nochmal anschauen, wie könnten wir das denn am besten machen?” (beide lachen)

Und dann bin ich in den Urlaub gefahren und habe vorher noch bei Amazon zwei Bücher über Jobsharing für Stephi und mich bestellt. Wir haben uns damit nochmal mit dem Thema befasst und gesagt: “Das ist ja eigentlich genau das, was uns passen würde.”

 

Stephi, wie kommts denn, dass Du in Teilzeit gehen wolltest?

Stephanie: Ich bin junge Mama, mein Kleinster auch erst ein gutes Jahr alt, meine Älteste vier. Und von dem her war auch immer klar: Ich möchte gerne eine anspruchsvolle Tätigkeit übernehmen, aber natürlich möchte ich auch noch Zeit mit der Familie verbringen. Und nicht die total gestresste Mutti sein, die irgendwie Beides nur so halbherzig macht.

Von daher war ich in dem Moment, wo Jessi mit der Idee gekommen ist, auch sehr schnell Feuer und Flamme. Am Anfang hab ich schon überlegt: “Hmmm, schaff ich das? Kann ich das wirklich vereinbaren?” Dann war ich aber auch schnell überzeugt: was ein tolles Modell!

Ich muss sagen, es ist auch jetzt noch aufgrund der vielen neuen Aufgaben und Strukturierung sehr anspruchsvoll. Die neue Herausforderung macht aber sehr viel Spaß und wir sind echt ein superschönes Team.

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Was genau sind Eure Aufgaben, die Ihr jetzt gemeinsam stemmt?

Jessica: Wir sind immer noch beide in der Reiseberatung. Also Kundenberatung, Kundenangebote erstellen, Buchungen durchführen. Wir haben beide noch viele Stammkunden von früher, vor der Elternzeit, die wir wieder betreuen.

Wir sind immer gemeinsam für unser Team da, die uns sehr unterstützen. Sie haben auch für die Anfangszeit den Großteil der Kundenbetreuung abgenommen, während wir noch Aufgaben unter uns aufteilen. Kundenbetreuung ist für uns allerdings ein wichtiges Thema, das wir weiterhin gerne fortführen möchten. Denn wir machen das schon echt gerne.

Natürlich spielt das Produkt auch eine große Rolle, das wir weiterentwickeln. Da haben wir uns ein bisschen aufgeteilt. Stephi übernimmt das östliche Afrika, und ich konzentriere mich auf das Südliche. In den Bereichen sind wir dann die Ansprechpartner für die Kunden als auch das Team.

Dazu teilen wir noch die großen Themen auf. Also bei mir liegt IT und Finanzen und bei der Stephi Personal und Marketing. Im Moment tauschen wir uns da noch sehr rege aus, weil es auch noch neue Themen für uns beide sind.

Wir versuchen da im Moment, in vielen Meetings noch beide drinzusitzen, um auf denselben Wissensstand zu kommen. In Zukunft hoffen wir aber, dass das weniger wird und sich jeder ein bisschen mehr auf die Kernaufgaben und Projekte konzentrieren kann.

Dann kann man sich noch in weeklys updaten, was es Neues gibt und wenn es große Dinge sind oder es was Strategisches gibt, dann kann man auch ein bisschen aufteilen, wer kann welche Projektteile oder Themen übernehmen.

Zwei Männer helfen sich eine Treppe hochzusteigen

Gibt es Dinge, die Ihr definitiv zusammenmachen wollt? Also, die Ihr gerade NICHT aufteilt?

Stephanie: Da fallen mir jetzt Personalgespräche ein, das ist ein großes Thema. Und dann natürlich alles, was große Entscheidungen betrifft. Selbst, wenn einer mehr im Thema drin ist, sich mehr darum kümmert, um die Umsetzung, um die Projekte, dass die Gestalt annehmen. Aber an sich sprechen wir uns trotzdem immer ab und treffen die Entscheidungen gemeinsam. Ich glaube, das ist der große Vorteil an Jobsharing an sich.

 

Habt Ihr schon Rückmeldung von den Kunden gekriegt? Oder kriegen die das gar nicht mit?

Stephanie: DAS haben alle mitbekommen. Wir haben einen Newsletter verschickt, die Kunden auch über unser Modell informiert. Natürlich war es darüber hinaus eine große Sache, dass die Gründerin sich zurückzieht und an uns übergibt.
Daraufhin haben wir durchweg positive Rückmeldungen bekommen. Wirklich: So viele schöne Emails und so viele schöne Anrufe. Die Kunden haben mit Begeisterung darauf reagiert. Super, super schön.

Das ist auch eins der Dinge, die uns von Karibu Safari ausmacht: Unser Stammkundenkreis, auf den wir sehr stolz sind und von dem kamen durchweg positive Rückmeldungen zurück.

Ihr seid ja noch ein sehr frisches Tandem: Was sind denn die Herausforderungen, vor denen ihr momentan steht?

Jessica: Ich glaub, vor allem die Zeit füreinander ist das, was momentan noch nicht klappt. Wir haben uns auch das “weekly“ vorgenommen. Das wird uns von allen Tandems auch immer empfohlen.

Das liegt seit ein paar Wochen in der Schwebe. Also wir reden schon die ganze Zeit miteinander.

Sprachnachrichten, Gott sei Dank gibt es Sprachnachrichten!

Wenn wir nicht parallel da sind, können wir uns mal schnell ein Update schicken. Und so eine Sprachnachricht, die kann man auch schnell einsprechen mit dem Kind auf dem Arm oder auf dem Weg zum Auto. Wir haben nur ein Großraumbüro, es kann also auch nicht alles im Büro besprochen werden, und dann kann man auf dem Weg zum Parkplatz noch kurz eine Sprachnachricht abschicken. Also: Ich bin sehr dankbar dafür!

Wir haben uns jetzt auch schon Termine für den Rest des Jahres gesetzt, damit wir genug Zeit füreinander finden. Sodass nichts untergeht.

 

Gibt es etwas, bei dem Ihr Euch denkt: “Hätt ich das mal früher gewusst, das hätte mir jemand vorher sagen sollen?”

Stephanie: Von meiner Seite eigentlich nicht. Viel eher “hätte ich mal früher gewusst, dass es das gibt.” Oder: “Schade, dass das jetzt erst so aufkommt.”

Denn ich glaube, das erleichtert so viel. Allein schon, dass man weiß, es ist jemand da. Man ist nicht allein. Man trifft die Entscheidungen nicht allein. Auch für schwierige Situationen: Man hat immer jemanden, mit dem man nochmal Rücksprache halten kann. Oder auch wenn mal Frustrationen aufkommen, dann ist man nicht allein, und das find ich eine total schöne Sache im Arbeitsalltag.

Weg von dieser Konkurrenz untereinander und mehr hin zum Miteinander.

Wenn Ihr Euch jetzt gut eingependelt habt: Was ist denn Euer Plan, wie viel Ihr gerne arbeiten würdet und wie Ihr die Zeiten aufteilt?

Stephanie: Der Plan ist, dass jede von uns 26 Stunden arbeitet.

Was, wenn man jetzt von einer Vollzeitgeschäftsführung ausgeht, auch hinkommen sollte. Ich glaube, dass wir uns da gut ergänzen und auch gut organisieren, sodass sich das auch richtig einspielt.

Der Plan steht auch schon fest, dass wir jeweils eine 4 Tage Woche haben. Jessi wird von Montag bis Donnerstag da sein und ich von Dienstag bis Freitag. Jede hat einen langen Tag und die restlichen 3 Tage sind wir beide dann bis 14:00 Uhr da, bis wir unsere Kiddies vom Kindergarten abholen.

Jessica: Wir waren jetzt einige Zeit wenig im Büro, weil die Kinder in der KiTa Eingewöhnungszeit hatten. Da haben wir uns dann richtig darauf gefreut, wieder gleichzeitig im Büro zu sein. Das ist uns echt wichtig, da können wir uns dann auch nochmal besser absprechen.

Das Zeitmodell haben wir auch als Allererstes geklärt, schon im ersten Gespräch. Denn wir können beide vor Allem vormittags arbeiten. Jetzt haben wir eine Lösung gefunden, die für uns beide super passt.

In den Stunden in denen wir beide nicht im Büro sind, ist einer mobil für das Team erreichbar und die Hotline für die Kunden ist ebenfalls immer über uns erreichbar.

Stephanie: Ich bin auf jeden Fall super gespannt auf die nächsten Jahre und super gespannt, was wir in zwei Jahren dann im Rückblick alles erzählen können. Es sind noch einige spannende Projekte auf der Agenda.

Wir sind auch sehr gespannt. Dann interviewen wir Euch einfach nochmal!

Vielen lieben Dank euch für all die wertvollen Einblicke.

Wir wünschen Euch alles Gute bei all euren großartigen Plänen und Ideen! Wir sind sehr gespannt, was ihr in ein paar Jahren zu erzählen haben werdet.

 

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Jessica Sears