Miriam Garcke und Julia Kutz sind Global Associate Marketing Directors von Eucerin Face Care bei Beiersdorf in Hamburg.

Die beiden sind seit 2018 (aktuell im dritten Job) als Tandem unterwegs und arbeiten jeweils 75 %. Anfang 2023 wird Miriam in ein Sabbatical gehen, Julia arbeitet in einem anderen Tandem weiter.

Denn beide sagen: Allein arbeiten können sie sich kaum noch vorstellen. 

Was genau ist Euer Job und wie gestaltet Ihr Euren Alltag als Tandem?

Miriam:  Unser Job ist das internationale Marketing von Eucerin Facecare. Wir sind also zuständig für die Strategie, für die Pipeline, die Kommunikation … eigentlich alles rund um Eucerin Gesichtspflege und wie wir den Bereich weiterbringen können. 

Dabei führen wir ein Team von momentan sieben Leuten und rekrutieren gerade eine achte Person, weil der Bereich zum Glück gut läuft und stark wächst. 

Zur Organisation: Wir arbeiten zusammengerechnet mehr als 40 Stunden, jeder 75 %.  

Das hat den Hintergrund, dass wir zunächst für die Hälfte des Bereiches verantwortlich waren und dann, als eine Kollegin in Mutterschutz gegangen ist, ihr Team dazu bekommen haben.  

Damit war dann aber auch klar: der Bereich ist jetzt zu groß, als dass man das in einer einzelnen Vollzeitstelle abdecken könnte. 

Also haben wir beide unsere Arbeitszeit ein bisschen aufgestockt. Jetzt sind wir 3 Vormittage zusammen da, jede von uns macht zwei lange Tage und Freitag ist der einzige Tag, an dem dann ab 14 Uhr keiner mehr da ist. 

Wenn wir parallel da sind, machen wir es dann häufig so: Eine macht die Meetings und die andere macht entweder parallel ein anderes Meeting oder arbeitet an anderen Aufgaben, die noch erledigt werden müssen. Mitarbeitergespräche versuchen wir immer zusammen zu machen. 

Julia:  Wenn wir beide gerade kein Meeting haben, dann nutzen wir die Zeit zu zweit und stecken die Köpfe zusammen, weil diese Zeit eigentlich immer zu kurz kommt. Die müssen wir uns immer schon wegblocken. 

Meistens ist aber eine von uns im Meeting und die andere übernimmt dann die Mails. Unsere Termine klären wir dann mit verschiedenen Farben in Outlook ab. 

 

Kaffe und Kuchen - Symbolbild

Welche Mittel nutzt Ihr denn für die Absprache? Ich habe jetzt in den letzten Interviews oft eine regelrechte Ode auf die Sprachnachrichten gehört. 

Julia:  Ja, das kommt bei uns tatsächlich auch vor. Wir haben natürlich nicht mehr die klassische Übergabe, weil wir ja viel parallel da sind. Das verkürzt dann auch die Übergabezeit und macht sie noch ein bisschen einfacher. 

Wenn man so lange miteinander arbeitet wie wir, weiß man ja auch, wie die andere arbeitet.

Wir haben uns zum Beispiel eine Ordnerstruktur in Outlook eingerichtet. Jeder hat einen To-read Ordner, wo die andere dann die wichtigen Emails reinschiebt. Wenn die Mails noch zu bearbeiten sind oder es wichtig wäre, dass ich mit draufgucke, dann sind sie im gemeinsamen To-Do Ordner. Ich muss die Inbox also nicht durchgucken, wenn Miri das schon gemacht hat. 

Bevor ich mit Miri gearbeitet habe, war ich schon einmal in einem anderen Tandem. Da war die Übergabe von Freitag auf Montag und ich habe jeden Freitagabend mit dem Laptop auf den Knien vorm Fernseher gesessen und 2 Stunden Übergabeliste geschrieben. Das wollte ich diesmal anders lösen. 

Wir zwei haben auch mal mit Listen gearbeitet, aber haben einfach gemerkt, dass das wahnsinnig viel Zeit frisst. Damit würde ich heute nicht mehr starten. 

Wie läuft denn das Thema Technik bei Euch generell? Da berichten viele Tandems von Herausforderungen. 

Julia:  Das Thema Technik hat schon einige Challenges mit sich gebracht , bis dann alles lief … Da haben wir inzwischen große Fortschritte gemacht bei Beiersdorf. 

Es gab auch bereits Trainings für die Tandems, die speziell die Microsoft Tools vorstellen. Wir haben aktuell 42 Tandems bei Beiersdorf und mittlerweile auch Mitarbeitende im IT-Team, die sich verstärkt um Tandem-Fragestellungen bemühen.  

Manches wie z. B. SAP, funktioniert aber individuell. Da haben wir uns zum Beispiel bei den Rechnungsfreigaben gegenseitig als Vertreterinnen eingetragen, damit wir dann Freiheiten an den Tagen haben, an denen die andere nicht da ist.

Bei der Zuordnung der Personalverantwortung im System, was auch über SAP läuft, ist es auch noch nicht komplett geklärt. Wir sind aber als Doppelspitze eingetragen, im Workflow läuft also inzwischen alles.

Gibt es außerhalb von der Technik nach 4 Jahren noch Probleme, die man im Tandem hat? 

Julia:  Also ich persönlich, Miri korrigiere mich da gerne, sehe keine Herausforderungen in der Zusammenarbeit als Tandem.  

Wir haben wirklich einen guten Weg miteinander gefunden. Wir kennen uns sehr gut und ich glaube, wir genießen alle Vorteile und freuen uns einfach darüber, dass wir uns haben. Und darüber, dass man diese Flexibilität hat. Und auch die Freiheit, zu Hause Zeit zu haben und trotzdem diesen tollen Job zu machen, der viel Verantwortung mit sich bringt. 

Miriam:  Sehe ich genauso. 

Zwei Männer helfen sich eine Treppe hochzusteigen

Und was sind denn die größten Vorteile, die Ihr für Euch seht? 

Julia:  Diesen Job zu zweit zu machen, bedeutet einfach, dass man immer jemanden an seiner Seite hat, der einen coacht, der einem Sparring gibt und der seine Gedanken mit einem teilt.  

Ich habe das Gefühl, ich bin viel schneller, weil ich Dinge anfangen kann, und Miri macht sie zu Ende oder wir ziehen das zusammen durch, weil man gedanklich Abkürzungen nehmen kann und man sich auch gegenseitig absichert. 

Dinge werden besser, wenn man mit zwei Köpfen denkt.  

Wir beide sind, glaube ich, sehr ähnlich im Führungsstil und auch in unserem Wertesystem. Aber wir sind doch von der Persönlichkeit unterschiedlich.

Das heißt, wir gucken auf Dinge ganz anders und können Entscheidungen von unterschiedlichen Perspektiven aus treffen. Das finde ich so bereichernd. Ich lerne immer noch jeden Tag was von Miri, obwohl wir schon so lange zusammenarbeiten. 

Und gerade, als die Kinder kleiner waren: Diese Corona Zeit hätte ich, glaube ich, ohne Miri nicht durchgestanden.

Wir hatten zu dieser Zeit einen ähnlichen Lebensabschnitt mit kleinen Kindern. Und das hat mir persönlich geholfen, da durchzukommen. Man hat einfach die Flexibilität, wenn die eine nicht kann, kann die andere einspringen. 

Diese Möglichkeit, zu zweit zu sein, ist toll! Iich weiß gar nicht, ob ich das nochmal allein überhaupt möchte.  


Miriam:  Ja, also das kann ich nur komplett so unterstreichen. Ich finde auch das „Y“ in Eurem JOYntLEADING total gut. Denn ich finde auch: es macht einfach mehr Spaß.  

Der Zeitaspekt von Jobsharing, an den man vielleicht als erstes denkt, war am Anfang auch meine Motivation.

Aber jetzt ist für mich der Vorteil noch größer, wirklich immer jemanden zu haben, der im gleichen Boot sitzt. Der die gleichen Interessen hat, mit dem man sich gegenseitig unterstützt, sich gegenseitig coachen kann und mit dem man so eng zusammenarbeitet und sich komplett vertraut. Das ist einfach toll. 


Julia:  Ich finde es auch in der Teamführung gut, weil wir einfach unterschiedlich sind und gerade bei Herausforderungen mit Teammitgliedern hat man immer zwei Sichten auf ein Thema.

Gerade wenn es um People Management geht, ist es so wichtig, jemanden zu haben, der nochmal einen anderen Blick auf Dinge hat, der vielleicht auch ganz andere Dinge sieht als man selbst.

Miriam:  Der Vorteil ist generell immer dann am größten, wenn es komplizierter wird. Einfache Aufgaben macht eine von uns alleine, da muss man sich auch nicht groß drüber austauschen. 

Aber immer dann, wenn es kompliziert wird – dann kann man sich gegenseitig unterstützen, gemeinsam drauf schauen und dann wird das Ergebnis besser. 

Zwei Männer helfen sich eine Treppe hochzusteigen

Wenn wir zurück an Euren Start als Tandem denken: Was war denn wichtig für Euch, sodass Ihr am Anfang durchstarten konntet? 

Miriam:  Was sicher geholfen hat: Es gibt ja auch andere Tandems bei Beiersdorf, mit denen man sich austauschen kann. Und auch wir selbst hatten beide schon vorher etwas Tandem Erfahrung, also wussten wir auch schon ein bisschen, was klappt und was nicht.

In der Zusammenarbeit hilft, dass wir das gleiche Wertesystem haben. Wir haben einen ähnlichen Führungsstil und ich würde sagen, wir haben ein ähnliches Level an Pragmatismus versus Perfektionismus. 

Ansonsten sind wir sehr unterschiedliche Menschen und auch unterschiedliche Typen, aber diese Aspekte passen und das ist, glaube ich, auch wichtig. 


Julia:  Ja, auf jeden Fall! Gerade auch das Letzte ist nicht zu unterschätzen. Und man braucht auch ein bisschen Mut zur Lücke, wenn man diesen Job in dem Modell macht. 

Ich finde, das ist ähnlich wie auch in einer Einzel-Führungsposition. Da muss ich auch ein gewisses Maß an Pragmatismus haben und jemandem vertrauen, dass sie das gut machen wird, dass sie mir die wichtigen Dinge sagen wird, ich aber eben nicht jedes Detail wissen kann. Genauso ist es auch, wenn man zu zweit zusammenarbeitet. 

Ich glaube, dass man sehr offen miteinander sein sollte und sich vertrauen können muss. Denn natürlich gibt es Momente, wo man z. B. eine wichtige Präsentation hält und diese Präsentation Miriam gemacht hat. Solche Situationen muss man in diesem Arbeitsmodell gemeinsam im Blick behalten und vor allem offen drüber sprechen.  


Miriam:  Ich glaube, es ist auch wichtig, dass man keinen Konkurrenzgedanken hat. 

Und ich glaube, was vielleicht eine Stolperfalle werden kann, sich bei uns aber gut ergeben hat, ist das schlechte Gewissen dem andere gegenüber, wenn man etwas nicht schafft. 

So ist z. B. mein schlechtes Gewissen, wenn ich krank bin, größer, als wenn Julia nicht da wäre. Das ist zwar nach außen definitiv weniger schlimm, weil sie mich vertreten kann, aber ich weiß ja auch, wie es ist, wenn man allein ist. Da sollte man das Verhältnis haben, dass man weiß, es ist okay, wenn man etwas nicht schafft und der andere ist einem nicht böse. 

Julia:  Es ist ja selbstverständlich und liegt auch in der Natur des Modells, dass wir uns vertreten. Wenn ich freitags frei habe und Miri mich morgens anruft und sagt, ich bin krank und wir haben heute einen wichtigen Termin, dann springe ich ein.  

Dabei gab es nie Momente, in denen ich das Gefühl hatte, das Modell wird von der anderen ausgenutzt. Im Gegenteil, wir haben beide immer das Beste gewollt. 

Miriam:  Ich glaube, was sehr hilft, ist, die gleichen Werte zu haben. Das gibt ein gutes Gefühl und führt zu einem schnellen Vertrauensverhältnis. 

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Wie sieht es denn aus mit Rückmeldungsgesprächen mit Eurer Chefin? Und wird dann nochmal unter persönlichen Zielen unterschieden oder habt Ihr nur Ziele für die gemeinsame Rolle? 


Julia:  Wir hatten von Anfang an gemeinsame Ziele und haben auch die Gespräche zusammen, das ist ganz transparent. Ich finde auch, wenn man wirklich so eng zusammenarbeitet, sollte man auch die gemeinsamen Zielvereinbarungen haben.  


Miriam:  Unsere Chefin versucht natürlich auch, noch ein bisschen individuelles Feedback zu geben, aber die Bewertung ist gemeinsam und ich finde, das ist auch total wichtig. Einfach, damit man gemeinsam an einem Strang zieht. 

Jetzt kommen wir schon zum Ende des Interviews: Gibt es noch etwas, was Ihr gerne sagen möchtet? 


Miriam:  Also ich möchte sagen, ich finde für jeden Teamplayer ist das echt ein schönes Modell. Denn man arbeitet wirklich eng mit jemandem zusammen.

Man hat das gegenseitige Coaching, diese Unterstützung und kann gemeinsam auf Dinge drauf schauen. Ich finde, man hat mehr Spaß und mir fällt es auch schwer, mir vorzustellen, wieder allein zu arbeiten. 


Julia:  Ich möchte noch hinzufügen: Wir haben sehr viele Termine und arbeiten sehr viel. Da ist unser Arbeitsmodell für mich auch ein Mittel, mental gesund zu bleiben.

Wir sind Working Moms, wir haben zwei kleine Kinder und es ist immer viel los. Aber ich habe mit Miri jemanden an meiner Seite. Ich kann mich mit ihr über alles austauschen. Über verrückte Meetings, Entscheidungen und über unser Team und das ist so hilfreich. 

 

Vielen lieben Dank Euch für all die wertvollen Einblicke.

Wir wünschen Euch alles Gute, auch und gerade in allem Neuen, was jetzt kommt! 

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Julia Kutz